Es ist jetzt schon die Woche 2 nach dem Ironman und erst jetzt schaffe ich es, den vorerst letzten Blogeintrag zu verfassen. Leben, willkommen zurück. So viel wie nach dem Ironman alles zu erledigen war, was nicht den Sport betrifft war zu tun. Aber das ist auch egal, denn jetzt wird wieder in die Tasten gehauen dass es nur so kracht. Also, hier kommt der versprochene Rückblick auf das Rennen.
Freitag, 22. Juli (Unterlagen)
Der Rückblick beginnt bereits am Freitag, denn die ersten Termine in Frankfurt standen auf dem Plan. Startunterlagen, Wettkampfbesprechung und eine eventuelle Dopingkontrolle waren an dem Tag vorgesehen. Einziges Problem: ich war noch nie Frankfurt zuvor gewesen, daher Orientierung gleich null. Aber zum Glück gibt es ja Navi’s also sind wir um 12 Uhr nach Frankfurt gefahren um gegen 14 Uhr die Startunterlagen abzuholen. Dort hat man schon das internationale Flair des Ironman gespürt, bzw. gehört, denn gesprochen wurde hauptsächlich Englisch. Ich hatte das Glück nicht zur Dopingkontrolle gelost worden zu sein, wobei das aber am Ende auch egal wäre. Nach erhalt der Startunterlagen und eines tollen Ironman-Rucksack ging es dann wieder zurück zum Auto und dann zur Eishockey-Halle wo um 15 Uhr die Wettkampfbesprechung stattfand.
Zwar wurde zuerst Altbekanntes (z.B. Windschattenregeln) aber später auch Neues (Dinge wie Disqualifikation bei Abfall wegwerfen) besprochen, so dass es sich absolut lohnte dort hinzugehen. Um 16:30 Uhr war die Besprechung dann zu Ende und es ging wieder nach Hause, leider mit dem zu erwartenden Feierabendstau in Frankfurt und auf der Autobahn.
Es ist unglaublich, denn im nachhinein betrachtet war der Freitag der anstrengendste Tag des ganzen Wochenendes.
Samstag, 23. Juli (Anreise und Check-in)
Der Samstag war dann sehr entspannend. Noch eine ganz kurze Rad (30 Minuten) und Laufeinheit (15 Minuten) und dann wurde das Auto bepackt, die Familie abgeholt und dann ab nach Frankfurt gedüst. Nach Frankfurt ist ja im Prinzip falsch, nach Langen / Mörfelden ist schon eher richtig, denn zunächst ging es zum Bike Check-in an den Langener Waldsee. Dort hieß es erstmals einreihen, denn 2.900 andere Teilnehmer hatten das gleiche vor: Rad abgeben und dann ab in die Frankfurter City.
Danach gab es noch einen Kaffee am See und dann hieß es ab in die City bzw. zum nächsten Check-in, diesmal im Hotel. Dort gab es erst einmal Verzögerungen, denn die ARD drehte dort in der Rezeption einen Film. Wenn also mal der Film “Sprinter” im Fernsehen laufen sollte und wir irgendwo im Bild erscheinen wisst ihr was passiert ist :-). Nach dem Check-in sind wir noch ein bisschen zum Sightseeing (Zeil, Oper, Römer, …) und zum Abendessen. Glücklicherweise gibt es ja den Vapiano, so dass ich noch ein letztes mal Kohlehydrate aufnehmen konnte. Um 22:00 Uhr waren wir dann schon früh im Bett, denn am Sontag war der Wecker auf 3:30 Uhr gestellt.
Sontag, 24. Juli (Raceday)
Pünktlich um 3:30 Uhr gab es einen Anruf von der Rezeption “sie wollten geweckt werden”. Gleich aufgestanden, Zähne geputzt und (Instant-)Kaffee gekocht. Danach gab es dann die ersten Marmeladen-Toasts. Um 3:45 dann wieder das Telefon “your wake-up call”. Bis gegen 4:00 Uhr habe ich dann locker 6-7 Scheiben Marmeladentoast gefuttert und war von der Menge schon fast kugelrund aber mit dem Wissen diese Kalorien über den langen Tag zu verbrauchen war das natürlich kein Problem. Die Zeit bis 4:20 Uhr verging eigentlich sehr zügig. Nochmal hier und da nachgeschaut, dass auch ja alles zum Wettkampf beisammen war und dann ging es auch schon um 4:20 Uhr zum Shuttle das uns zum Langener Waldsee brachte. Um diese Zeit war es draußen noch sehr kalt und dass warme Shuttle war eine richtige Wohltat – vorerst, denn nach und nach wurde die Luft darin immer schlechter. Irgendwann sind wir dann endlich am See angekommen und wir konnten nun nochmal zu den Bikes um die letzen Vorkehrungen zu treffen. Vor dem Rennen hatte ich noch meinen Wechselplatz vom Rad ins Wechselzelt verlegt und vor allem aber auch entschieden meine dünne Laufjacke mit in den Wechselbeutel zu packen.
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Um 6:45 Uhr ging der Ironman dann für die Profis und die 300 besten Altersklassenathleten los, ich musste mich noch 15 Minuten gedulden. “Geht schonmal ins Wasser, die Wassertemperaturen sind höher als die Lufttemperaturen” log der Sprecher. Das Wasser war kälter als saukalt, wenn wundert’s bei 8°C Außentemperatur.
Schließlich ging dann endlich um 7:00 Uhr das Rennen los. Mit 2.600 anderen Sportlern auf einem Flecken zu schwimmen ist schon sehr speziell. Überall Hände und Füße; links, rechts, hinten, vorne, sogar von oben.
Das Schwimmen selbst war “ok”. Geschätzt hatte ich 1:20 Stunden, tatsächlich wurden es 1:19, also zu dem Zeitp
unkt noch voll im Plan. Was mir aber nicht als so schwierig bewusst war, war der Schwimmausstieg, denn das war ja ein kleiner Berglauf so steil war der Ausstieg.
Etwas länger hat es dann in der Wechselzone bzw. im Wechselzelt gedauert. a) hat es zu diesem Zeitpunkt geregnet und nochmal abgekühlt und b) habe ich in aller Ruhe ein zweites Frühstück gemacht. Die beiden Stücke Reiskuchen haben hier sogar noch besser als üblich geschmeckt. Aufgrund des Regens habe ich mich dann so dick eingepackt wie ich nur konnte. Das war zwar mit der dünnen Laufjacke im Vergleich zu den vorherrschenden Bedingungen immer noch zu wenig, aber allemal besser als nur ein TriTop. Die Wechselzeit war aufgrund des zweiten “Frühstücks” mit knapp 8 Minuten deutlich länger als üblich.
Auf der Radstrecke hat man neben den 180 km und dem Streckenabschnitt “the Hell” in Hochstett nun auch noch mit den Elementen in Form von Starkwind, Regen und Kälte zu kämpfen. So zitterte ich mich die ersten 30 km aufgrund der Kälte durch die Radstrecke – bis der angesprochene Streckenabschnitt “the Hell” begann. Ich hatte im Vorfeld zwar eine Ahnung was mich erwarten würde, aber so schlimm hätte ich es mir beim besten Willen nicht vorgestellt. Grobes Kopfsteinpflaster, und das noch bergauf. Kurzum, ich verlor alles was nicht Niet- und Nagelfest am Rad befestigt war, sprich meine Aero-Flasche und Werkzeugflasche (inkl. dem ganzen Flickzeug). Als Gegenleistung dazu haben die Zuschauer aber richtig Stimmung gemacht. --- Die anderen Teile der Strecke waren eher einfach zu fahren, bis auf die Zufahrt nach Bad Vilbel, denn auf den guten 20 km hier gab es nur starken Gegenwind. Mit großer Besorgnis sah ich auf dem Weg nach Bad Vilbel sehr viele Sportler an der Seite der Radstrecke stehen und hektisch den Reifen wechseln – eigentlich sollte sowas für mich ja kein Problem sein, denn in den Reifen hatte ich schon vor dem Rennen Dichtmilch eingefüllt um eventuelle Platten gleich abzudichten, und auch ein Ersatzschlauch hatte ich hinterm Sattel dabei. Da mein Flickzeug aber irgendwo bei Hochstett im Graben lag nutzte mir der Ersatzreifen rein garnichts, da in meiner Werkzeugbox auch die nötigen Ventilverlängerungen waren. Also hoffen dass nichts passiert und weiterfahren. Die Runde wurde zwei mal durchfahren und die Zeit raste förmlich davon. Am Ende hatte ich 6:09 Stunden auf Tacho stehen, was einen Schnitt von 29,3 km/h darstellt. Zufrieden war ich damit nicht, denn eigentlich hatte ich etwas mehr als 30 km/h erwartet, aber in Anbetracht der schwierigen Wetterverhältnisse war es dann doch gerade noch so im Rahmen.
Auf die zweite Wechselzone habe ich mich besonders gefreut. Endlich kein Rad mehr und auch auf der Ernährungsseite gab es Abwechslung. Auf dem Rad hatte ich mich ausschließlich von Isogetränken und Powerbar-Riegeln ernährt und irgendwann kann man das Zeug nicht mehr sehen. Cola und Salzbrezel können so lecker sein !
Auf der Laufstrecke selbst hatte ich bis zum Halbmarathon eigentlich Angst zu schnell unterwegs zu sein. Die Beine fühlten sich gut an, das Tempo lag ca. bei 5:15 min/km und damit zwar nicht zu flott, aber vor dem Hintergrund dass viele Leute sagen in den ersten 15 km wird das Rennen verzockt ist man als Rookie dann lieber mal langsamer unterwegs. Aber es ging gut voran und so versuchte ich dieses Tempo, so weit es ging konstant zu halten. Gegen Laufkilometer 30 haben sich dann die Beine mit einem leichten Schmerz gemeldet und die Befürchtung gehen zu müssen war sofort da. Um den Gegenzusteuern habe ich versucht das Tempo auf ca. 5:50 min/km zu reduzieren um diese letzten 12 km durchzustehen. Nach 6 km war der Spuk allerdings zum Glück vorbei und ich konnte wieder das ursprüngliche Tempo von 5:15 min/km anschlagen und schließlich ins Ziel laufen.
Die Herausforderung Ironman war geschafft, das Ziel wofür man ungefähr ein Jahr lang trainiert hatte erreicht. Jetzt ist erstmal Urlaub vom Sport angesagt – verdientermaßen. Obwohl, nach den zwei Wochen merke ich schon dass es irgendwie wieder kribbelt. Die Tage (wenn es mal nicht regnet) werde ich mal wieder die Laufschuhe schüren. Mal schauen ob die Form schon gekillt ist :-)
“Ironman” Steffen :-)

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